Beteiligung eines Investors- Königsweg oder Crux?

Montag, 06. Oktober 2014

Teil 4: Der Beteiligungsvertrag


Beteiligung eines Investors – Königsweg oder Crux?

 

Was Sie nicht in Handbüchern lesen

 

Teil 4: Der Beteiligungsvertrag

 

Der Unternehmer Friedrich Faber steht mit der Wertreich GmbH, einem Family Office,  und dessen Geschäftsführer Wilhelm Werther im Gespräch über eine Beteiligung der Wertreich GmbH an der Faber & Faber GmbH. Faber gefällt das Konzept von Wertreich, den einzelnen Portfoliounternehmen Raum für die Fortentwicklung ihres jeweiligen Geschäfts zu geben,  diesen aber mit ihrer Expertise, insbesondere was Controlling und Finanzierungsfragen angeht, stets zur Seite zu stehen. Er ist sich andererseits bewusst, dass er zukünftig nicht mehr alleiniger Herr im Hause sein wird, sondern sich mit dem Investor abstimmen muss und auch die Zukunft des Unternehmens möglicherweise nicht mehr ganz in seiner Hand liegt.

 

Eckpunkte im Letter of Intent

 

Die Parteien haben sich bereits in einem Letter of Intent über die Eckpunkte der Beteiligung verständigt. Danach soll die  Wertreich GmbH, abhängig von der noch durchzuführenden Bewertung der Faber & Faber GmbH, maximal 49% der Anteile an Faber & Faber übernehmen, ein Mitspracherecht an wesentlichen unternehmerischen Entscheidungen erhalten und nach fünf Jahren den Exit herbeizuführen dürfen. Faber soll zunächst weiterhin als Geschäftsführer tätig bleiben. Mit dem Letter of Intent verpflichten sich die Parteien allerdings noch nicht, den Beteiligungsvertrag auch tatsächlich abzuschließen. Verbindlich sind darin lediglich einige Klauseln, insbesondere die wechselseitige Vertraulichkeits-verpflichtung.

 

Der Beteiligungsvertrag und Bewertung  – Grundsätzliches 

 

Nun geht es darum, den Beteiligungsvertrag und Nebenabreden dazu im Einzelnen zu verhandeln und dazu den aktuellen Wert der Faber & Faber GmbH zu ermitteln.  Faber wird sich in dem Zusammenhang nochmals seine Interessen vor Augen führen, aber ebenso Werthers Motivation in sein Unternehmen zu investieren. Faber benötigt Kapital für sein Unternehmen, will dort zumindest mittelfristig als Mehrheitsgesellschafter engagiert bleiben und die Nachfolgeentscheidung möglichst noch etwas aufschieben. Werther wünscht ein solides, gewinnversprechendes Investment, von dem er sich aber letztlich auch wieder trennen kann und will dieses durch Einfluss auf die Geschäftsführung, insbesondere die Finanzen, absichern.  Nachfolgend werden beispielhaft einige wesentliche Punkte genannt, die Faber bei den Verhandlungen im Auge behalten sollte. 

 

Höhe und Form der Beteiligung

 

Die Höhe der Beteiligung bestimmt sich in erster Linie nach der Bewertung der Faber & Faber GmbH und dem Kapitaleinsatz des Investors.  Faber geht es nicht darum für sich und seine Familie Geld einzusammeln, sondern seinem Unternehmen frische Liquidität zuzuführen. Das ist auch im Sinne der Wertreich GmbH. Daher ist man sich schnell einig, dass die Beteiligung ausschließlich in Form einer Barkapitalerhöhung (und nicht etwa teilweise durch Verkauf von Anteilen Fabers an die Weitreich GmbH) erfolgen soll.

 

Bewertung der Faber & Faber GmbH

 

Werther ist bereit einen bestimmten Betrag in Bar für die Beteiligung aufzuwenden. Im Zuge der ersten Gespräche, die zum Abschluss des Letter of Intent führten, gingen die Parteien davon aus, dass dieser Betrag für eine Beteiligung in der Größenordnung von zwischen 35 und 45 Prozent an der Faber & Faber GmbH ausreicht. Die Bewertung eines Unternehmens hängt von der Bewertungsmethode und dem Bewertungsmaßstab ab. In der Regel wird dabei heute auf die Ertragsfähigkeit des Unternehmens abgestellt, die typischerweise nach bestimmten Regeln aus historischen Zahlen, einem Prognose-Element sowie aus dem Vergleich mit in jüngerer Zeit erzielten Preisen in derselben Branche hergeleitet wird.   

 

Bewertungsgutachten

 

Faber und Werther haben sich darauf verständigt, dass für eine genauere Wertermittlung ein auf Unternehmensbewertungen spezialisiertes Beratungsunternehmen beauftragt werden soll. Die Kosten soll Faber tragen, da Werther seine Investitionsentscheidung endgültig erst nach Vorlage des Bewertungsgutachtens treffen will. Für Faber ist es sinnvoll, den Wert des seines Unternehmens ermitteln zu lassen, denn darauf wird es auch ankommen, sollte er sich nach Alternativen umschauen müssen. Da Faber das Gutachten bezahlt, steht es ihm auch zu, einen Gutachter seines Vertrauens auszuwählen. Gegen Fabers Wahl wird sich Werther nur mit guten Gründen sperren. Wichtig ist, dass das Bewertungsunternehmen professionell arbeitet, Expertise in der Branche der Faber & Faber GmbH vorweisen kann und die Herleitung des Unternehmenswerts und die in dem Zusammenhang getroffenen Annahmen (zu angenommenen Zinssätzen und anderen Faktoren) transparent macht.  Faber hat in Abstimmung mit Werther ein Beratungsunternehmen gefunden, das diesen Ansprüchen genügt. Dieses hat ein Wertgutachten erstellt, auf dessen Basis sich Faber und Wertreich rasch darüber einigen, dass Wertreich mit dem von Werther avisierten Barbetrag eine Beteiligung von 40 Prozent  an der Faber & Faber GmbH erwerben soll.  

 

Mehrheits- und Minderheitsbeteiligung

 

Faber wird zwar mit 60 Prozent der Anteile die Mehrheit an seinem Unternehmen behalten, doch muss ihm klar sein, dass er dessen Geschicke dennoch nicht mehr alleine bestimmen wird, denn auch bei einer Minderheitsbeteiligung wird Wertreich darauf bestehen sich in der Satzung oder dem Beteiligungsvertrag maßgebliche Einflussmöglichkeiten zu sichern. Die gesetzlichen Mehrheitsregeln, nachdem ein Gesellschafter mit 51 Prozent der Anteile das Unternehmen weitgehend autonom leiten kann (lediglich sehr grundlegende Entscheidungen bedürfen nach dem Gesetz einer qualifizierten Mehrheit), würden damit durch die Vereinbarung zwischen den Parteien verdrängt. Diesem Ansinnen wird sich Faber nicht widersetzen können, will er mit der Wertreich GmbH ins Geschäft kommen.  

 

Mitspracherechte

 

Wertreich wird also darauf bestehen, dass wesentliche Entscheidungen nur von beiden Parteien gemeinsam getroffen werden können: das gilt für die Aufstellung des Budgets,  Investitionen und sonstige größere Ausgaben, bedeutende Personalentscheidungen, Erwerb und Veräußerung wesentlicher Vermögensgegenstände, Gewinnverwendung und etwaige Nachschusspflichten sowie die Veräußerung von Geschäftsanteilen an Dritte. Damit sitzen die Parteien in einem Boot: können sie sich nicht einigen, nimmt dieses im Zweifel nicht schnellere Fahrt auf, sondern behält die  Geschwindigkeit und den bisherigen Kurs bei. Daher sollten Faber und Wertreich sich über einige geschäftliche Eckpunkte möglichst schon vorab einigen.

 

Erlaubte Übertragung von Anteilen auf Dritte

 

Zunächst ist es Faber aber wichtig, zumindest in einem Punkt alleine entscheiden zu können: er möchte seine Anteile ganz oder teilweise auf seine Kinder oder andere Verwandte übertragen dürfen, im Wege der vorgezogenen Erbfolge, aus steuerlichen oder sonstigen Gründen. Die Wertreich GmbH wird sich dem vermutlich nicht verschließen, möchte es aber weiterhin nur mit Faber als Ansprechpartner zu tun haben (oder einer anderen Einzelperson, sollte Faber etwas zustoßen).  Das lässt sich dadurch erreichen, dass die Rechte an allen Anteile, die Faber und seiner Familie gehören, nur gemeinsam, und zwar durch Faber bzw. bei dessen Verhinderung, einer vorab bestimmten anderen Person ausgeübt werden können. Über die familieninterne Entscheidungsfindung muss Faber dann mit den betreffenden Familienmitgliedern eine separate Vereinbarung schließen.  

 

Geschäftsplan und Budget

 

Um langwierige Diskussionen über die Geschäftspolitik bereits zu Beginn der Zusammenarbeit zu vermeiden ist Faber und Wertreich zu empfehlen als Bestandteil des Beteiligungsvertrages für die ersten 12 bis 24 Monate einen verbindlichen Geschäftsplan mit einem möglichst realistischen Budget, einschließlich und Investitionsplan und dessen  Finanzierung durch Eigenkapital oder Fremdkapital, aufzustellen. Das Thema hat schon zu Beginn ihrer Gespräche eine Rolle gespielt: was sind die Pläne, wie und vor allem mit welchen (finanziellen)  Mitteln sollen diese umgesetzt werden und wer übernimmt dafür die Verantwortung? Nun ist die Zeit gekommen, Details festzulegen. Das zwingt zur Auseinandersetzung mit den strategischen und operativen Zielen und hält zu Disziplin an. Außerdem entdecken die Parteien möglicherweise einen bereits vorhandenen versteckten Dissens über ihre jeweiligen Absichten und Prärogativen bzw. legen sich über ihr jeweiliges Ziel Rechtschaffenheit ab, bevor sie sich aneinander binden. Allerdings sollte der Geschäftsplan auch Flexibilität für  unvorhergesehene Ereignisse gestatten.  

 

Gewinnverwendung  

 

Zum Budget, aber über dieses inhaltlich und zeitlich hinausweisend, gehört auch eine Vereinbarung über das heikle Thema der Gewinnverwendung.  Sollen Gewinne ganz oder überwiegend im Unternehmen verbleiben und für Investition verwandt werden oder als Rücklage für schlechte Zeiten dienen?  Oder ist es Faber wichtig, dass bestimmte Beträge an ihn und seine Familie zur Abdeckung von Lebenshaltungskosten oder für andere Zwecke ausgeschüttet werden? Legt vielleicht umgekehrt die Wertreich GmbH Wert auf möglichst hohe regelmäßige Ausschüttungen?  

 

Geschäftsleitung

 

Wenn Faber als Geschäftsführer weitermacht, stellt sich die Frage, ob noch ein weiterer, von der Wertreich GmbH bestimmter Geschäftsführer bestellt werden soll, z.B. für Finanzen und Controlling.  Wichtig für Faber ist: Ressortzuständigkeiten lassen sich zwar intern auf zwei oder mehrere Geschäftsführer verteilen. Verantwortlich im Rechtsverkehr mit Dritten ist aber jeder  Geschäftsführer persönlich, und zwar nicht nur für das ihm intern zugewiesene Ressort.  Faber sollte aber auch in die Zukunft blicken: wenn er nicht mehr als Geschäftsführer fungieren kann oder will, dann sollte er zumindest darauf bestehen einen  Geschäftsführer seiner Wahl bestimmen zu können. Ein solches Entsendungsrecht wird sich für den Fall vermutlich auch die Wertreich GmbH einräumen lassen wollen. Geregelt werden sollte dann auch, ob und unter welchen Umständen eine Partei einen von der Gegenseite vorgeschlagenen Geschäftsführer ablehnen kann.

 

Geschäftsführervertrag

 

Fabers Geschäftsführervertrag ist vermutlich neu zu fassen.  Bestimmte emotional potentiell aufgeladene Dinge (Klassiker: Größe des Firmenwagens und anderen „Goodies“ wie etwa der zweite oder dritte Firmenwagen für Fabers Frau und Tochter) sind, mit allem gebotenen Takt(!), neu zu regeln; eine bislang geübte Praxis der engen Verflechtung zwischen Unternehmensvermögen und Privatvermögen muss modifiziert werden.  Bei dem Geschäftsführervertrag ist im Übrigen vor allem die Laufzeit wichtig, denn für den fix vereinbarten Zeitraum kann Faber nicht bzw. nur aus wichtigem Grund als Geschäftsführer abberufen werden und hat Anspruch auf sein Geschäftsführergehalt.

 

Aufsichtsrat, Beirat, sonstige Gremien?

 

Die Wertreich GmbH wird möglicherweise auf die Entsendung eines Geschäftsführers verzichten, ihre Kontrollbefugnisse dann aber in anderer Form, entweder über die Gesellschafterversammlung oder über einen Aufsichtsrat, Beirat oder ein Gremium mit ähnlicher Funktion (wie etwa ein Gesellschafterausschuss) ausüben wollen. Da die Faber & GmbH nicht mitbestimmungspflichtig ist, hat sie keinen obligatorischen Aufsichtsrat. Es kann daher ein fakultativer Aufsichtsrat oder, wie dies typischerweise der Fall ist, ein Beirat bestellt werden, dessen Kompetenzen in weitem Ermessen der Gesellschafter festgelegt werden können.

 

Zusammensetzung und Aufgaben des Beirats

 

Der Beirat sollte nicht, auch nicht teilweise, personenidentisch mit der Geschäftsführung sein. Zusammensetzung, Entsendungsrechte und Kompetenzen sind frühzeitig zu regeln.  Je nach Größe des Beirats sollte Faber eine oder mehrere Personen seines Vertrauens in den Beirat entsenden, und zwar möglichst welche mit unternehmerischer Erfahrung (Rechts- oder Steuerberater eignen sich hier nicht unbedingt!).  Auch Wertreich wird eine oder mehrere Personen benennen, die vermutlich ebenfalls über Industrieexpertise verfügen. Die Zustimmungsbefugnis zu wesentlichen Entscheidungen kann weitgehen auf den Beirat delegiert werden. Faber wird aber darauf achten müssen, inwieweit seine Stellung als Mehrheitsgesellschafter durch den Beirat möglicherweise beeinträchtigt werden könnte.  

 

Berichtspflichten

 

Die Geschäftsleitung hat den Gesellschaftern bzw. dem Beirat zu berichten.  Bei der Festlegung der Einzelheiten sollten sich Faber und die Wertreich GmbH von pragmatischen Grundsätzen leiten lassen, denn zu rigide und formalistische Vorschriften sind meistens nicht zielführend: sie behindern das tägliche Geschäft, dringen in den Kernbereich der Geschäftsführung und deren Verantwortung ein und sind nicht geeignet sie Übernahme von Verantwortung und die Vertrauensbildung zu zwischen Faber und der Wertreich GmbH bzw. zwischen Geschäftsführung und Beirat zu fördern.

 

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Weitere wesentliche Bestandteile des Beteiligungsvertrages sind Regelungen über die Frage was passiert, wenn sich die Parteien über eine Frage nicht einigen können, und das besonders heikle Thema wie sie gegebenenfalls wieder auseinander kommen.

 

Dazu mehr im nächsten Blogbeitrag

 

 

Geschrieben von:  Dr. Reinhard Hermes
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