Familienunternehmensrecht: Beteiligung eines Investors – Königsweg oder Crux?

Donnerstag, 22. Mai 2014

Was Sie nicht in Handbüchern lesen - Teil 3 -



 

Beteiligung eines Investors – Königsweg oder Crux?

Was Sie nicht in Handbüchern lesen

- Teil 3 -

 

Der Unternehmer Friedrich Faber hat sich nun dafür entschieden, einem Investor eine Beteiligung an der Faber & Faber GmbH einzuräumen. Er hat bereits mit mehreren M&A Beratungshäusern gesprochen und von einem von ihnen einen guten Eindruck gewonnen. Er überlegt diesem Beratungshaus den Auftrag zu erteilen, einen geeigneten Investor für ihn zu finden.

 

Limitierte Auktion – Vor- und Nachteile

 

Faber hat sich inzwischen auch mit den Verfahrensschritten für die Suche nach einem Investor und die anschließende Vertragsanbahnung vertraut gemacht: der M&A Berater wird zunächst eine größere Anzahl von potentiellen Investoren anonym kontaktieren und einigen von ihnen, die ernsthaftes Interesse zeigen, nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung den Namen Faber & Faber enthüllen und Einblick in die Zahlen und Rechtsverhältnisse des Unternehmens gewähren.  Dieses Verfahren einer sogenannten limitierten Auktion ist weit verbreitet, vor allem wenn es um die Veräußerung eines Unternehmens im Ganzen geht, bei der für den Verkäufer die Höhe des erzielten Kaufpreises im Vordergrund steht. Auktionsverfahren finden inzwischen aber auch bei der Veräußerung von (Minderheits-) Beteiligungen Anwendung.

 

Faber zögert aber noch, diesen Weg einzuschlagen. Einerseits ist ihm zwar klar, dass er auf diese Weise einen großen Kreis potentieller Investoren erreichen kann, andererseits ist er besorgt, dass auch wenn jeder Interessent eine Vertraulichkeitsverpflichtung eingehen muss, zu viele Leute, einschließlich Wettbewerber von dem Projekt erfahren und Betriebsgeheimnisse preisgegeben werden.

 

Während Faber noch überlegt, wie er mit dem Problem umgehen soll, erhält er einen Anruf von Wilhelm Werther, dem Geschäftsführer der Wertreich GmbH, der Holding Gesellschaft eines Family Offices.

 

Ein möglicher Investor meldet sich auch ohne Auktionsverfahren

 

Werther hatte gegenüber Faber bereits vor längerer Zeit Interesse an einer vollständigen Übernahme der Faber & Faber GmbH bekundet, würde sich aber, wie er nun sagt, auch mit einer Minderheitsbeteiligung begnügen. 

 

Benötigt Faber jetzt noch einen M&A Berater?

 

Faber könnte sich vorstellen mit Werther ins Geschäft zu kommen.  Er fragt sich, ob er nun auf einen M&A Berater verzichten kann. Wählt Faber die Wertreich GmbH als Investor aus, so entfällt in der Tat eine wesentliche Aufgabe des M&A Beraters, nämlich die Identifizierung eines geeigneten Investors. Doch leistet ein guter M&A Berater auch bei der Vorbereitung, Verhandlung und Durchführung der Transaktion gute Dienste. Diese Aufgaben könnte allerdings möglicherweise auch ein wirklich versierter Anwalt und/oder Steuerberater wahrnehmen. Dann erscheint die Einbindung eines M&A Beratungshauses verzichtbar.

 

Bewertung der Faber & Faber GmbH

 

Vor Aufnahme der Verhandlungen mit der Wertreich GmbH sollte sich Faber über den Wert seines Unternehmens und damit den Preis einer möglichen Beteiligung klarwerden. Wenn er  selbst dazu noch keine eindeutigen Vorstellungen hat, bestünde eine Möglichkeit darin, ein auf Unternehmensbewertungen spezialisiertes Unternehmen ansprechen. Für eine erste Analyse, die auf historischen Finanzdaten der Faber & Faber GmbH beruht, allgemein anerkannte Bewertungsmethoden verwendet und Vergleichszahlen aus demselben Industriesektor in den Blick nimmt, muss er keine sonderlich hohen Kosten aufwenden.

 

Was muss Faber über die Wertreich GmbH und ihre Portfolio-Unternehmen wissen?

 

Vor allem muss sich Faber eingehend über die Wertreich GmbH, deren Eigentümerstruktur und Anlageziele sowie das vorhandene Portfolio von Beteiligungen und deren Entwicklung unter der Ägide der Wertreich GmbH informieren. Er sollte ausführlich mit Werther und dessen für die Portfolioverwaltung zuständigen Mitarbeitern sprechen, aber auch, wenn möglich, mit deren Zustimmung den Kontakt zu den Geschäftsführern und/oder sonstigen Anteilseignern der anderen Portfoliogesellschaften suchen. Er kann damit herausfinden, ob sich die geschäftspolitischen Ziele beider Seiten in Einklang bringen lassen, wie sich die Zusammenarbeit der operativen Gesellschaften mit der Holding im täglichen Geschäft  gestaltet und ob die Chemie zwischen den beteiligten Personen stimmt.

 

Der Abschluss eines Letter of Intent oder eines Term Sheet ist sinnvoll

 

Wenn Faber ernsthafte Gespräche mit Werther über eine Beteiligung der Wertreich GmbH aufnimmt, sollte er daran denken, die Eckpunkte der Vereinbarung frühzeitig festzulegen, zunächst intern (auch um eigene „Schmerzgrenzen“ zu definieren) und dann gemeinsam in einer Vereinbarung mit der Wertreich GmbH, um herauszufinden, ob trotz gegenseitiger Sympathie nicht doch unüberwindliche Gegensätze bestehen. Dazu bietet es sich an, die wesentlichen Punkte in einem sogenannten „Letter of Intent“ oder einem „Term Sheet“ (die Begriffe sind weitgehend deckungsgleich) festzulegen, die zwar noch keine rechtliche Verpflichtung zum Abschluss des Vertrages begründen, aber die Parteien dazu zwingen, sich über diese Punkte frühzeitig Gedanken zu machen und gegebenenfalls den Prozess abzubrechen, bevor hohe Kosten entstanden sind.

 

Was gehört in den Letter of Intent / das Term Sheet?

 

Wesentlich ist natürlich erstens eine Verständigung über die Höhe der Beteiligung und den vom Investor dafür zu zahlenden Preis.  Auch die Ausgestaltung der Beteiligung – in der Regel durch eine Kapitalerhöhung – sollte bereits in Grundzügen festgelegt werden. Zweitens sollte Einigkeit hergestellt werden über Eckpunkte der Organisation der Geschäftsführung und die Geschäftsziele (welche Rechte werden der Wertreich GmbH eingeräumt, welche Vorstellungen bestehen hinsichtlich Investitionen und Dividendenpolitik). Drittens sind Beschränkungen der Übertragung von Gesellschaftsanteilen zu vereinbaren – weder Faber noch die Wertreich GmbH möchten unversehens einen ihnen unbekannten Dritten als Mitgesellschafter von Faber & Faber vorfinden. Schließlich ist viertens auch das heikle Thema des Exits in den Blick zu nehmen. Family Offices haben zwar anders als Private Equity Häuser keinen zeitlich begrenzten Anlagehorizont, doch wird es dem Interesse beider Seiten entsprechen, sich zu vernünftigen Bedingungen auch wieder trennen zu können und Faber möchte gegebenenfalls die Beteiligung zurück erwerben können. 

 

Die Lösung kritischer Punkte nicht aufschieben!

 

Der Letter of Intent bzw. das Term Sheet geht damit zwar bereits recht weit ins Detail der Vertragsausgestaltung, doch zeigt die Erfahrung, dass solche wesentlichen Punkte vorab geklärt werden sollten, damit  Faber sich bei Nichteinigung frühzeitig, und nicht erst nach langwierigen, kostenträchtigen und schließlich fruchtlosen Verhandlungen über den Beteiligungsvertrag nach Alternativen umsehen können. Denn mit zunehmender Verhandlungsdauer wird sich seine Position vermutlich schwächen.

 

Näheres zur Verhandlungsstrategie und zum Beteiligungsvertrag sowie dem weiteren Schicksal von Faber & Faber in einem der nächsten Blogbeiträge.  

 

Geschrieben von:  Dr. Reinhard Hermes
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